How do media contribute to the dissemination of conspiracy beliefs? A field study combining panel and web tracking at the outbreak of the COVID-19 pandemic

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Die von Silke Adam, Tobias Rohrbach, Franziska Keller, Mykola Makhortykh, Ernesto de León, Chiara Valli, Ani Baghumyan und Maryna Sydorova verfasste Studie untersucht, wie sich pandemiebezogene Verschwörungsglauben im frühen Verlauf von COVID-19 entwickelten. Im Mittelpunkt steht die Frage, welche Rolle unterschiedliche Medientypen beim Entstehen und Verbreiten solcher Überzeugungen spielen. Dabei zeigt sich, dass die mediale Informationsumwelt zu Beginn der Pandemie ein entscheidender Faktor für den gesellschaftlichen Umgang mit Verschwörungserzählungen war.

Die Autor*innen kombinierten hierfür zwei Panelbefragungen in Deutschland und der Deutschschweiz mit einem zehnwöchigen Webtracking, das reale Online-Nutzungsdaten erfasste. Mittels automatisierter Textklassifikation (feinjustierter deutscher BERT-Modelle) wurden über 3,5 Millionen besuchte Webseiten daraufhin analysiert, ob sie pandemiebezogene Verschwörungssätze enthielten und ob diese die Behauptungen unterstützten oder zurückwiesen. Alternative Medien verbreiteten laut Ergebnissen häufiger verschwörungsunterstützende Inhalte, während Mainstreammedien überwiegend widersprachen oder debunkten. Gleichzeitig zeigten sich direkte Effekte: Unterstützung in alternativen Medien erhöhte Verschwörungsglauben, debunkende Berichterstattung in Mainstreammedien senkte sie. Populistische Einstellungen und politisches Misstrauen verstärkten diese Dynamiken zusätzlich, indem sie selektive Mediennutzung sowie verstärkende bzw. gegenargumentierende Verarbeitung auslösten, was indirekt zur Verfestigung von Verschwörungsglauben beitrug.