Inhaltlich zeigt die Studie, dass dieses Narrativ in Japans Twitter-Öffentlichkeit sowohl bei linken als auch rechten Nutzergruppen Verbreitung fand, was eine ideologisch übergreifende Anschlussfähigkeit belegt. Mithilfe eines Survey-Experiments weisen die Autor*innen nach, dass insbesondere eine generelle Ablehnung politischer Proteste dazu führt, dass selbst konservative und China-kritische Personen das chinesische Narrativ eher akzeptieren. Die Analyse der Twitter-Daten macht deutlich, dass internationale Propaganda nicht nur durch staatliche Akteure oder Bots verbreitet wird, sondern wesentlich durch „participatory propaganda“ – also durch die aktive Weiterverbreitung durch Bürgerinnen und Bürger. Methodisch kombiniert die Studie daher Social-Media-Analyse mit experimenteller Befragungsforschung, um sowohl Verbreitungsmuster als auch psychologische Mechanismen der Rezeption zu erfassen. Insgesamt kommt die Untersuchung zu dem Ergebnis, dass Chinas Einflussoperationen nicht nur Polarisierung erzeugen, sondern unter bestimmten Bedingungen über politische Lager hinweg Zustimmung finden können.
Cross-ideological acceptance of the illiberal narrative of the 2019 Hong Kong protests in Japan: aversion to protests as a key facilitator
Die Wissenschaftler*inne Tetsuro Kobayashi, Fujio Toriumi, Mitsuo Yoshida und Takeshi Sakaki untersuchten, wie chinesische illiberale Narrative in demokratischen Gesellschaften Resonanz finden. Ausgangspunkt ist Chinas verstärkter Einsatz von „sharp power“, also strategischer Einflussnahme auf internationale öffentliche Meinung, insbesondere über soziale Medien. Die Autor*innen analysieren, wie sich das vom chinesischen Staat verbreitete Narrativ, dass die Hongkonger Proteste 2019 vom CIA und der NED gesteuert gewesen seien, in Japan verbreitet hat und von welchen gesellschaftlichen Gruppen es angenommen wird. Das Forschungsprojekt setzt dabei an der Frage an, wie internationale Propaganda von Demokratien rezipiert wird und welche Bedingungen ihre Akzeptanz begünstigen. Die Studie wurde in englischer Sprache veröffentlicht.
