Inhaltlich basiert die Studie auf einer bevölkerungsrepräsentativen Befragung von 2.503 Personen, deren politische Einstellungen mithilfe etablierter Fragebögen zur rechtsextremen Einstellung, Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit und weiteren autoritären Syndromen erfasst wurden. Die Ergebnisse zeigen einen weiterhin hohen Sockel an antidemokratischen Einstellungen, wobei besonders Ethnozentrismus, Antisemitismus, Ausländerfeindlichkeit und die Befürwortung autoritärer Herrschaftsmodelle virulent bleiben. Zugleich diagnostiziert die Studie eine zunehmende Radikalisierung bestimmter Milieus, die sich unter anderem in Verschwörungsmentalität, Antifeminismus und wachsender Gewaltbereitschaft ausdrückt. Im Langzeitvergleich wird sichtbar, dass sich alte Ressentiments an neue gesellschaftliche Konfliktlagen – etwa im Kontext von Migration, pandemischen Krisen oder sozialen Transformationsprozessen – anschließen. Insgesamt zeigt die LAS 2020, dass autoritäre Orientierungen tief in der gesellschaftlichen Mitte verankert sind und dass diese Einstellungen das Potenzial besitzen, den demokratischen Zusammenhalt nachhaltig zu gefährden.
Autoritäre Dynamiken - Alte Ressentiments - neue Radikalität
Die Leipziger Autoritarismus Studie 2020 ist die zehnte Ausgabe einer seit 2002 durchgeführten repräsentativen Langzeituntersuchung zu autoritären, rechtsextremen und demokratiefeindlichen Einstellungen in Deutschland. Herausgegeben von Oliver Decker und Elmar Brähler und unterstützt durch die Heinrich-Böll-Stiftung sowie die Otto Brenner Stiftung, bietet sie einen empirisch fundierten Überblick über die politische Stimmung in Deutschland. Die Studie versteht sich als Beitrag zur gesellschaftspolitischen Debatte über Antidemokratismus, Ressentiments und Polarisierungsprozesse und knüpft damit an die früheren „Mitte“-Studien an. Als zentrales Motiv wird die Verbindung historisch persistenter Ressentiments mit neuen Ausdrucksformen autoritärer Dynamiken hervorgehoben.
