Die Autoren unterscheiden zunächst klar zwischen real existierenden Verschwörungen, die durch klassische investigative Methoden und Evidenz aufgedeckt werden, und verschwörungstheoretischem Denken, das durch Überinterpretation, Inkonsistenz und extreme Skepsis gegenüber offiziellen Quellen geprägt ist. Unter Rückgriff auf sozialpsychologische Theorien wird erläutert, dass Verschwörungsglauben besonders in Situationen von Kontrollverlust, Machtlosigkeit oder Bedrohung gedeiht, da er als Bewältigungsstrategie dient und komplexe Ereignisse scheinbar erklärbar macht. Besonders hervorgehoben wird die Rolle sozialer Medien, die durch algorithmische Verstärkung und fehlende Gatekeeper die Verbreitung solcher Narrative beschleunigen. Methodisch zentral ist das von den Autoren entwickelte Modell CONSPIR, das sieben Merkmale konspirativen Denkens – etwa Selbstimmunisierung gegen Beweise, Widersprüchlichkeit und Feindbildkonstruktion – systematisch beschreibt. Aufbauend darauf diskutieren sie „Prebunking“- und „Debunking“-Strategien, also präventive Inokulation gegen Fehlinformationen sowie fakten-, logik- oder quellenbasierte Widerlegungen. Gleichzeitig betonen sie, dass der Umgang mit überzeugten Verschwörungsgläubigen besondere Vorsicht erfordert, da Debunking hier Abwehrreaktionen verstärken kann; empfohlen werden stattdessen empathische, dialogische Ansätze, die kritisches Denken fördern. Abschließend machen Lewandowsky und Cook deutlich, dass nur eine Kombination aus gesellschaftlicher Stärkung demokratischer Resilienz, individueller Empowerment-Strategien und wissenschaftlich fundierter Kommunikation geeignet ist, den destruktiven Wirkungen von Verschwörungstheorien nachhaltig zu begegnen.
